Feldenkrais

Feldenkrais - Bewegungspädagogik

 

Feldenkrais hilft zu sich zu kommen, von nach aussen orientiert sein - zu sich wieder wahrnehmen können. Durch das Bewegen und Geführtwerden bleibt man ganz aufmerksam und trotzdem ist das Empfundene wie nach einer Meditation. Man fühlt sich ruhig, bei sich und erholt. Die Gesichter sind entspannt als ob geschlafen wurde, obwohl die Übungen manchmal fordernd sein können. Richtig spannend wird es, wenn erkennt wird weshalb so gestanden und gegangen wird und wie es zum eigenen Wohlbefinden im Alltag und Sport geändert werden kann.

 

Feldenkrais-Methode®

 

Die Feldenkrais-Methode® ist ein Selbsterfahrungsprozess, der Bewegungen verwendet. Ihr Ziel besteht darin, eine Organisation des Menschen zu erreichen, in der er mit minimalem Aufwand und maximaler Effizienz handeln kann. Parasitäre Spannungen erlangt durch Schmerzen, Schutzhaltungen nach Verletzungen oder emotionaler Natur hindern uns, eine Bewegung geschmeidig, harmonisch, vollständig und effizient zu machen. Zudem brauchen diese parasitären Muskeltätigkeiten viel Energie, was zu schneller Ermüdung führen kann. Wieder zu erleben, dass das Skelett die stützende Funktion hat und somit die Muskeln frei für verschiedene Bewegungen sind, beinhaltet diese Methode und somit sich mit Freude wieder bewegen können.
Feldenkrais braucht den Begriff „organisches Lernen“, was der Art, wie Kinder lernen, entspricht. Bewegungen sind für Kinder einfach, angenehm, forschend und vergnüglich und variieren in vielen Möglichkeiten. Einiges lernen wir durch Versuch und Irrtum und anderes durch Imitation. Die Wahlmöglichkeiten trainieren wir uns dadurch ab, indem wir die optimale Bewegungslösung finden wollen. Diese Methode möchte die Wieder-Entwicklung von organischem Lernen mit seinen Wahlmöglichkeiten ermöglichen und dies bis ins Alter. Es geht auch nicht darum, was man nicht kann, sondern was man bereits kann und noch verbessern könnte. Denn Leben ist Bewegung, ist lernen. In Gruppenunterricht (ATM) oder als Einzelsitzung (FI) kann diese Bewegungspädagogik vermittelt werden.

ATM

 

Bewusstheit durch Bewegung (Awareness Through Movement = ATM) ist eine der zwei Arten, diese Methode zu lehren.

Feldenkrais hat über 1000 ATM erarbeitet, die man an Gruppen verbal über Anweisung unterrichtet. Meistens macht man den Anfang dieser Übungen im Liegen, damit das Nervensystem die Möglichkeit hat, den Muskeltonus, den wir brauchen, um aufrecht stehen zu können, zu senken. Der Boden gibt uns neutrale Informationen, wie wir aufliegen. Dies wiederum erleichtert uns, Bewegungsmuster zu erkennen und ändern oder neue Möglichkeiten und Variationen zufügen zu können. ATM kann man aber auch in einer anderen Ausgangslage, wie im Sitzen oder Stehen, ausführen.

 

ATM in der KlasseATM in der Klasse

 

Im Zentrum der Übungen ist nicht die Zielgerichtetheit, die wir aus dem Alltag im Handeln und Denken sonst kennen, sondern es geht ums „Wie mache ich das“, „Wie kann ich es noch leichter, weicher und ohne Willpower machen“ oder „Wie viele Variations-Möglichkeiten hab ich“. Auch spielt die kinästhetische Wahrnehmung eine grosse Rolle. Wie spürt man sich? Wir lernen auch durch Wahrnehmen von Unterschieden. Empfindet man die rechte und linke Körperseite gleich gross, warm, lang oder hell?

Und um zu integrieren, brauchen wir auch Momente des Ruhens.
Machen wir eine Bewegung zu oft, langweilt sie uns und wir lernen nicht mehr. Rhythmusveränderungen und ein anderer Bewegungsumfang fesselt die Aufmerksamkeit des ZNS (Zentrales Nervensystem). Ganz kleine bis nur gedachte Bewegungen können den grösseren Lerneffekt haben.

Oder: Kann man jederzeit in einem Bewegungsablauf stoppen, wenden und die gleiche Bewegung rückwärts machen?

 

FI (Funktionale Integration)

 

ATM in der KlasseFI von und mit Kolleginnen

 

Funktionale Integration ist lernen in einer Einzelstunde, bei der der Lehrer (Practitioner) Funktionen wie Rotation der Wirbelsäule oder die Beziehung zwischen Becken und Brustkorb durch Berührung und Bewegung bewusst macht und die Beweglichkeit vergrössert oder auch neue Bewegungsmuster zur Installation anbietet. Wenn die neuen Informationen ins Leben integriert worden sind, kann man das Atmen als leichter empfinden, das Gehen als unbeschwerter und beim Rückwärtsfahren kann man besser den Kopf drehen.

Sicherlich befremdet es einen, wenn man irgendwo Schmerzen empfindet und bei einer FI erkennt, dass einen Zusammenhang besteht mit einer Spannung, Überbelastung oder einer Fehlhaltung in einem ganz anderen Körperteil.

 

Moshé Feldenkrais (1904 - 1984)

 

ATM in der KlasseMoshé Feldenkrais

 

Moshé Feldenkrais hat diese Methode erarbeitet.

In Russland geboren, zog er als Vierzehnjähriger nach dem damaligen Palästina aus. Studierte dann Physik, Mathematik, Maschinenbau und Elektrotechnik in Paris. Schloss sein Studium mit dem Doktor der Naturwissenschaften ab. Arbeitete in Forschungsprojekten auf dem Gebiet der Kernphysik mit Joliot-Curie zusammen. In Paris lernte er Jigoro Kano kennen. Erlangte als einer der ersten Europäer den Schwarzgurt im Judo. 1940 flüchtete er nach England. Neben seiner Tätigkeit in der britischen Admiralität setzte Feldenkrais seine Forschungen und Versuche in Neuro- und Verhaltensphysiologie und Neuropsychologie fort.

Doch massgebend für die Entwicklung seiner Methode war eine Knieverletzung, die er beim Fussballspiel erlitt. Wiederkehrend schmerzte das Knie, so dass man an eine Operation denken musste. Jedoch die nur 50%-Chance, dass sie gelingt, reichte ihm nicht. Durch genaue Beobachtung, wann er welche Bewegung macht, wurde ihm bewusst, wie er lernen konnte zu gesunden. Seine Methode „Bewusstsein durch Bewegung“ lehrte er in Israel, Europa und den USA. Er publizierte mehrere Bücher*.

 

*Moshé Feldenkrais (dies sind nicht alle Publikationen):

  • Bewussheit durch Bewegung. Der aufrechte Gang. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 1978
  • Die Entdeckung des Selbstverständlichen, Insel Verlag, Frankfurt/M 1985
  • Das starke Selbst. Anleitung zur Spontaneität, Suhrkamp Verlag, 1992
  • Der Weg zum reifen Selbst. Phänomene menschlichen Verhaltens, Junfermann Verlag, Paderborn 1994